Currywurst aus der Nordsee |
Remi Böttcher setzt auf Algen statt auf Fleisch |
| ca Lüneburg. Herbert Grönemeyer hat sie besungen:
"Gehse inne Stadt, wat macht dich da satt - 'ne Currywurst." Vor
Herbies geistigem Auge triefte beim Dichten bestimmt eine Wurst
aus Fleisch. Remi Böttcher liebt die "Curry" auch, aber er lässt
sie aus Algen herstellen. Gestern präsentierte er die
"Weltneuheit" im Lebensmittelgeschäft Tschorn. Die Reaktionen
reichen von "lecker" bis "ist nicht meine Welt". Böttcher
schwärmt von den Algen, die vor Sylt geerntet werden: "Kein
Landgemüse ist so jodhaltig." Obendrein brauche die Alge kein
Süßwasser zum Wachsen, für Böttcher ein dickes Öko-Plus. Durch einen Fernsehfilm sei seine Begeisterung für die Braunalge geweckt worden, sagt der Mann aus Munster, der als maritimen Anklang ein Piratentuch trägt. Nun macht ein Schlachter daraus Frikadellen für Hamburger sowie Wiener-, Bock-, Brat- und Currywürste. Auch als Brot und Keks kann das Meeresgewächs namens Laminaria auf den Tisch kommen. Es bleibt Geschmackssache. Marianne Harms und Elfriede Tiemens sagen zur Algen-Curry: "Schmeckt nicht schlecht." Frau Tiemens ist dankbar für den Geniestreich aus Munster, die fertigen Bratlinge könnten ihr die Arbeit ersparen, für die "vegetarischen Enkel" aus eingeweichtem Grünkern Buletten zu drehen. Bärbel Drenckhan kostet skeptisch: "Das ist keine Wurst. Vielleicht Tofu?" Ihr Fazit: "Echte Wurst schmeckt besser, die Pelle ist knackiger." Sandpassagen-Chef Matthias Tschorn ist offen für Neues, er zieht einen Vergleich: "Als vor zwanzig Jahren der erste Kunde nach Pesto gefragt hat, wussten wir alle nicht, was das ist." Natürlich haben die Fachleute schon damals die italienische Saucenspezialität besorgt, und wer wisse heute schon, welchen Siegeszug das Lebensmittel Alge einst antreten könne. Es ist jedenfalls etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben: 300 Gramm Algen-Bratwurst kosten mit 7,99 Euro fast dreimal soviel wie die fleischige Variante. |