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Alge

Wie die Alge zur Wurst wird

Wie kommt die Alge von der Sylter Algenfarm in die vegetarischen Wurst Produkte?

Sobald die Algen 3 Monate alt sind oder eine Größe von ca. 30 – 60 cm haben, werde ich von Herrn Prof. Dr. Lüning, dem Leiter der Sylter Algenfarm, angerufen.

Durch ihn werde ich darüber in Kenntnis gesetzt, wann die Algen geerntet werden. Ich fahre im Frühling, Herbst und Winter, wenn die Temperaturen etwas wärmer sind, mit einem Kühlanhänger aus der Lüneburger Heide nach Sylt.

Dort treffe ich mich mit dem ganzen Team von der Sylter Algenfarm, um die Algen, die in 3 Monaten von einer winzig kleinen Spore zu einer Pflanze herangewachsen sind, zu ernten.

Herangewachsen sind die Algen in großen Behältern, unter ständigem Sauerstoff und Tiefenwasser aus der Nordsee, sowie einer gezielten Beleuchtung. Sie werden mit einem Käscher herausgeholt, welches schon einige Stunden in Anspruch nehmen kann. Danach werden die Algen in Plastikbeuteln auf meinem Anhänger verladen und ich trete die Rückreise in die Lüneburger Heide an, genauer gesagt nach Hützel, welches ca. 3 Stunden von Sylt entfernt liegt.

Somit sind die Algen von der Algenfarm bis zur Verarbeitung nur wenige Stunden unterwegs, wo der Schlachtermeister Heiko Meyer seine Produktionsstätte hat und er normalerweise Fleisch verarbeitet. Dort werden die Algen kurz gebrüht, um einen Teil von ihrem Jodgehalt zu verlieren und alle Bakterien abzutöten. Dies bedeutet noch zusätzlich Sicherheit für meine Produkte. Danach werden die Algen der vegetarischen Masse zugeführt, die vorab in einem Kutter vorbereitet wurden. (Was ein Kutter ist??) In einem Kutter wird durch 2 – 6 schnell rotierende Messer (ein paar tausend Umdrehungen) die zugeführte Masse, egal ob Fleisch oder Pflanzen, so zerkleinert, daß man sie in jede Art von Därmen füllen kann.

Nach dem Befüllen der Därme im Kunstdarm werden alle Würste nochmals gebrüht, um so wiederum größte Sicherheit bei meinen Produkten zu erreichen.

Danach werden Algen-Wiener und Algen-Currywurst mit Buchenholz geräuchert, um den Geschmack und die Haltbarkeit zu verbessern.
Somit unterscheidet sich die Herstellung von vegetarischen Wurstprodukten nicht sonderlich von den Fleischprodukten, lediglich die Mischung aller Inhaltsstoffe ist eine Kunst und benötigt jahrelange Experimente, viel Geduld, und Idealismus.

Daher sind große Unternehmen nicht sonderlich interessiert, neue Produkte zu entwickeln, sondern nehmen das Herkömmliche oder Altbewährte und verändern es nur etwas. Danach wird mit viel Werbung ein neues Produkt vorgestellt, was eigentlich kein neues ist. Jetzt liegt es an Ihnen, einmal diese vegetarische Weltneuheit zu probieren und sich selbst eine Meinung zu bilden. Nach meinen Erfahrungen werden Sie jedoch nicht einmal merken, daß kein Fleisch enthalten ist und eine vegetarische Wurst genauso gut wie eine Fleischwurst schmeckt, zumal sie nicht einmal anders aussieht.
R. Böttcher 2007